Göteborg ist bekannt für Zimtschnecken, Volvo und seine hohe Kriminalität. Gleich 6 Stadtteile werden von der Polizei als „besonders gefährlich“ eingestuft. Was das bedeutet, merke ich, als ich auf Park4night nach Parkplätzen stöbere. Überall Berichte von aufgebrochenen und ausgeraubten Wohnmobilen. Gut, ich komme im März, aber ein ausgeraubter Günther wäre für mich der Supergau, ganz zu schweigen vom traumatisierten Hund. Also was machen? Mit dem Nahverkehr reinfahren? Nein, ich probiere mal mit meinem Wohnmobil durch die Stadt zu fahren und wenigstens so ein paar schöne Plätze zu sehen. Und das von mir, der am liebsten zu Fuß die Welt erkundet…
Ein paar Infos zu Göteborg
Die Stadt ist eine ziemlich junge und erst im 17. Jh vom schwedischen König gegründet. Da alles südlich zu Dänemark gehörte – zum Beispiel das kürzlich besuchte Halmstad – fehlte dem großen Schweden ein Zugang zur Nordsee. Also wurde versucht an der Mündung des Flusses Göta eine Stadt zu errichten. Da es hier sehr sehr sumpfig war, ein Unternehmen, das bereits zwei mal gescheitert war. Jetzt würde es aber klappen.
Heute leben in Göteburg500.000 Menschen und fast noch einmal so viel in der Region. Nach Stockholm ist es die zweitgrößte Metropolregion. Für ordentlich Wirtschaftskraft sorgt der größte Hafen Schwedens und natürlich Volvo, die urschwedische Automarke.
Die kleine Fähre auf dem Fluss
Start im Hafen
Ich komme über die Autobahn E45 ins Zentrum und lande auf einem der Parkplätze beim großen Fähranleger. Hier kann man auch übernachten, es stehen tatsächlich einige Mobile auf dem Parkplatz. Eine Fußgängerfähre dümpelt über die Göta. Die große Stena-Line liegt an. Vom Parkplatz hat man einen ersten Blick in die Stadt und auf die große Autobahnbrücke.
Auf einer kleinen Straße geht es erst einmal durch den Hafen mit Blick auf allerhand großer Schiffe. Es ist Sonntagmorgen und es ist wirklich nicht viel los. Auf kleinen Straßen fahre ich vorbei an Parks, Kirchen und vielen großen Wohngebäuden.
Haga – Szeneviertel von Göteborg
Stauabgabe und das Traumviertel Haga
Als ich tiefer in die Stadt komme, erreiche ich die Grenze der „Stauabgabe oder Citymaut“. Um Verkehr aus der Innenstadt fernzuhalten, gibt es eine Abgabe, die automatisch über dein Kennzeichen erhoben wird. Ein halbes Jahr später bekommst du die Rechnung nach Hause. Wer außerhalb der Rush Hour kommt, zahlt 9 Kronen, heute am Sonntag zahle ich wohl gar nichts. Trotzdem merke ich, für eine Großstadt ist wirklich wenig Verkehr.
Ich erreiche das keine Stadtviertel Haga – einst Armenviertel und heute das Szeneviertel Göteborgs. Die meisten Wege durch den Stadtteil sind gesperrt, also lasse ich Günther schnell stehen und spaziere ein paar Minuten durch die kleinen Gassen. Das lohnt sich, Cafés, Restaurants, kleine Läden. Die kleinen Holzhäuser sehen so überhaupt nicht nach Großstadt aus. Ich bemerke, dass fast jede Stadt Nordeuropas so ein Viertel hat. Vilnius hat Uzopis, Tallin hat Kalamanka….
Stadtmuseum und Deutsche Kirche
Das Stadtzentrum und die Kanäle
Über die große Straße geht es in die Innenstadt Göteborgs, das Zentrum. Hier finden sich viele kleine Straßen mit Läden und mit Cafes. Die große Straße, Prachtstraße wie man sie hier nennt, heißt Kungssportsavenyen, hier gibt es die großen Läden. Aber auch hier ist viel zu sehen. Göteborg ist zwar eine sehr junge Stadt, dennoch gibt es hier viele schöne Gebäude. Und auch viele kleine Parkplätze an der Seite. Ich halte schnell an und fotografiere die Skyline mit Stadtmuseum und der Deutschen Kirche (Tyska Kiruna). Dahinter erahne ich den Gustav Adolf Platz, zentraler Platz der Stadt.
Blick auf den Lippenstift
Mit Lippenstift in die Oper
Ein paar Kurven später lande ich vor dem Maritiman, dem Maritimmuseum der Stadt. Gut, es sind ein paar Kurven mehr, denn auch hier wird viel gebaut und bis ich auf dem Parkplatz vor dem Museum stehe, muss ich einen weiten Bogen fahren. Das Maritiman besteht aus eine ganzen Reihe an Schiffen vom Kriegsschiff bis zum Segelboot. Daneben ein Restaurantschiff. Nebenan ist das Casinound die Oper. Das moderne Bauwerk steht direkt am Wasser und erinnert ganz entfernt an Sidney. Im Hintergrund „der Lippenstift“, wie das Rot-Weiße Hochhaus von den Göteborgern genannt wird.
Stolzer Günther mit Aussicht
Auf den Ramberget
Ich könnte noch den einen und anderen Stadtteil abklappern, aber ich denke, es reicht. Doch ein Highlight möchte ich noch besuchen, den schönsten Aussichtspunkt der Stadt – den Ramberget. Dazu muss ich über die Göta fahren und dann ins nächste Viertel bis ich unterm Berg stehe. Das besondere ist, man kann bis hinauf fahren, Günther muss also nicht alleine bleiben. Einige Kurven später stehe ich oben auf dem Berg und genieße die tolle Aussicht. Man sieht den Hafen, die Stena Line, die Kanäle, das Maritiman und den Lippenstift. Beeindruckend.
Blick in die Innenstadt
Fazit
Göteborg zeigt sich auch vom Auto aus als entspannte und gemütliche Großstadt. Noch nie hatte ich so wenig Verkehr in einer so großen Stadt. Auch mit dem Wohnmobil kommt man gut durch. Dank der vielen Fußgängerschwellen auf den Straßen geht es sowieso unendlich langsam voran. Letztendlich ist Göteborg eine junge Industriestadt, Highlights wie in Stockholm findet man hier nicht. Aber vor allem ein längerer Besuch in Haga hätte mich gereizt. Aber auch so war mein Besuch entspannt und wer so wie ich, das Wohnmobil lieber nicht stehen lässt – eine Stadtrundfahrt ist machbar und reizvoll.
Weiterfahrt
Wir fahren wieder hinunter und jetzt auf dem schnellsten Weg nach Norden. Bald sind wir wieder auf der E45 und erreichen die Festung Kungalv.Die beeindruckende Burg steht morgen auf dem Programm, dann möchte ich nach Marstrandund dann die Schären der Westküste besuchen – Bohuslän wir kommen!
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Galerie
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Allgemein wird in der Camping-Szene abgeraten, in Göteborg zu übernachten. Vor allem in den Sommermonaten werden rund um die Innenstadt viele Wohnmobile aufgebrochen. Schon in 25 km Entfernung fand ich die ersten Hinweisschilder an den Parkplätzen der Region – für Schweden ziemlich untypisch. Ob das Panikmache ist, oder ernsthafte Gefahr kann ich nicht einschätzen und darf jeder für sich entscheiden.