Warum ist Campen in Deutschland so kompliziert?
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Warum ist Campen in Deutschland so kompliziert?
Ein Parkplatz, ein WoMo-Schild und fertig ist das französische Campingparadies. In Deutschland braucht es anscheinend Stromkästen, Drainagesysteme, Machbarkeitsgutachten und viel mehr, um Campen zu können. Warum nur?
Warum ist Campen in Deutschland so kompliziert?
Ich bin unterwegs in der Bretagne auf der Suche nach der Teufelsbrücke, einer kleinen Sehenswürdigkeit, die nur bei Ebbe zu sehen ist. Ich finde einen kleinen Wanderparkplatz und entdeckte sofort das Schild „Camping Cars 48h“. Ein Wohnmobilstellplatz… so einfach geht das.
Da fang ich dann doch mal an, nachzudenken. Ein wunderschöner kleiner Wanderparkplatz. Kein Strom, kein Wasser, kein Müll, gar nichts. Nicht mal sonderlich eben ist der Parkplatz und Platz hat er höchstens für 5 Fahrzeuge. Und dennoch… Ein Schild und schon darf man hier mit seinem Wohnmobil absteigen, die Natur, die Ruhe, die Abgeschiedenheit genießen und einfach glücklich sein.
Wie sieht das in Deutschland aus?
Ein Platz für 200 Fahrzeuge, alle mit Strom, fließend Wasser, ein Waschhaus, Waschmaschine, WLAN, Brötchenservice, abendliches animiertes Liedersingen, Mini-Supermarkt, Eingangsschranke und locker mal 15€ für die Nacht. Das ist natürlich absichtlich übertrieben, aber wenn man die Stellplatzvorschläge in Zeitschriften wie „Promobil“ anschaut, dann scheint der deutsche Camper das zu wollen.
Campen im Allgäu
Schild aufstellen – fertig
Als ich im Allgäu unterwegs war, sah ich allerorts „Wohnmobile verboten – Schilder“, Innenstädte oder Parkplätze waren gesperrt. Stellplätze waren erst einmal Fehlanzeige, der einzige auffindbare in 25 km Entfernung war ein überdimensionaler Schotterparkplatz neben Zuglinie und Bundesstraße – 15 € die Nacht, um mit 2 Millionen anderen Campern einzuschlafen?
Einen Stellplatz entstehen lassen
…scheint eine schwierige Sache zu sein. 500.000€ soll das kosten, habe ich mal gelesen. Da muss Strom und Entsorgung verlegt werden, Wasser, Automaten. Alles natürlich frisch gepflastert werden in tibetanischen Buntsandstein und vom örtlichen Feng Shui Master abgesegnet. Und dann nach locker mal 9 Jahren hat die Gemeinde auch einen Wohnmobilstellplatz. Die deutschen Camper wollen das so! Sonst würde das doch keiner machen!?
Die deutschen Camper wollen was?
Aber mal ehrlich – kein Tag, dass nicht in einer Zeitung, sei es aus dem Allgäu, der Ostseeregion oder der Pfalz, zu lesen ist, dass Horden an Wildcampern auf den Parkplätzen stehen. Parkplätzen? Parkplätzen ohne Strom, Wasser, Entsorgung, Brötchenservice und Liederkranz? Wer sind diese Leute? Deutsche Camper wollen doch die 15€-Stellplätze mit allem Extra! Nein, wollen sie nicht!
Nehmt euch Frankreich als Vorbild
Deutschland ist (mal wieder) unglaublich kompliziert. Alles muss durchgeplant, eingeebnet und mit allen Extras ausgestattet sein. Dabei brauchen wir das gar nicht. Natürlich gibt es viele Camper, die zwar eine Toilette an Bord haben, aber lieber 15€ zahlen, um auf eine aus Keramik zu gehen. Aber ganz ganz viele Camper möchten einfach einen Platz in Ruhe und Frieden um abzuschalten, um sich zu erholen. Find the silence. Und da wäre ein Parkplatz wunderbar, auf dem ich 24h oder 48h stehen darf. Mehr will ich doch gar nicht. Nehmen wir die Schwäbische Alb oder den Spessart. Hier gibt es allerorts Wanderparkplätze, die einsam und ruhig gelegen sind. Warum stellt man hier nicht ein „Camping erlaubt – Schild“ hin?
Camper, strengt euch an
Es wäre so einfach… bestimmt kenne ich wieder irgendwelche Regelungen, Gesetze, Vorschriften nicht. Aber in meinen Gedanken ist es ganz einfach. Wenn man dann aber von Müllbergen, vollgeschissenen Parkplätzen und Ruhestörung liest, ist klar, warum ein Camperparadies bei uns erst mal nicht in Sichtweite ist. Also Camper, wir benehmen uns besser, respektieren die Regelungen und dafür hoffen wir auf ein Stellplatzparadies wie in der Bretagne. Hier geht es ja auch!
Tipps:
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